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Tullamore D.E.W. ist nach Jameson der meistgesuchte irische Whiskey in Deutschland — und der mit der ungewöhnlichsten Biografie. Die Marke existierte sechzig Jahre lang ohne eigene Brennerei. Wer heute eine Flasche kauft, kauft ein Produkt, das erst seit 2014 wieder dort entsteht, wo sein Name herkommt.
Die Marke in Kürze
Tullamore ist eine Kleinstadt in den irischen Midlands. Die Brennerei entstand dort 1829. Ihren Charakter bekam sie aber unter einem Angestellten: Daniel E. Williams begann als Stalljunge und arbeitete sich bis zum Geschäftsführer hoch. Ihm zu Ehren stehen seine Initialen im Namen — D.E.W. ist kein Wortspiel mit „Tau“, sondern ein Personenkürzel.
Sechzig Jahre ohne Brennerei
1954 wurde die Destillerie in Tullamore geschlossen — die irische Whiskeyindustrie lag am Boden, von einst über hundert Brennereien überlebten eine Handvoll. Die Marke selbst wurde weiterverkauft und der Whiskey fortan andernorts produziert, unter anderem bei Midleton und Bushmills.
Erst 2014 eröffnete unter dem schottischen Eigentümer William Grant & Sons — derselbe Familienbetrieb, dem auch Glenfiddich gehört — wieder eine eigene Brennerei in Tullamore. Das heißt aber auch: Ältere Abfüllungen im Regal stammen noch nicht aus Tullamore. Bei einem Whiskey mit zwölf Jahren Reifung dauert es entsprechend, bis der Kreis sich wirklich schließt.
Das Triple-Blend-Prinzip
Handwerklich ist Tullamore D.E.W. eine Besonderheit: Er vereint alle drei irischen Whiskey-Typen in einer Flasche — Malt Whiskey aus gemälzter Gerste, Pot Still Whiskey aus gemälzter und ungemälzter Gerste sowie leichten Grain Whiskey. Die meisten Blends kombinieren nur zwei davon. Dazu kommt die klassisch irische dreifache Destillation, die für Weichheit sorgt. Was das technisch bedeutet, steht unter Pot Still und Column Still.
Wie Tullamore D.E.W. schmeckt
Hinweis zur Einordnung: Die folgenden Aromen fassen zusammen, wie diese Abfüllungen in Fachpublikationen und der Whisky-Community übereinstimmend beschrieben werden — sie sind keine eigene Verkostungsnotiz. Sobald wir selbst verkosten, kennzeichnen wir das ausdrücklich als unsere Notiz. Und in jedem Fall gilt: Deine Nase entscheidet, nicht unsere.
Der Original gilt als sehr weich und unaufdringlich: grüner Apfel, Vanille, etwas Getreide, ein kurzer, sauberer Abgang. Kein Whiskey, der etwas will — was ihn beliebt und zugleich austauschbar macht.
Der 12 Special Reserve ist der Sprung. Durch einen höheren Anteil sherrygereifter Komponenten kommen Trockenfrucht, Nuss und eine deutlich cremigere Textur dazu, der Abgang wird spürbar länger. Der 14 Single Malt geht in Richtung tropische Frucht mit vier verschiedenen Fasstypen.
Das Sortiment
| Abfüllung | Charakter | Ehrliche Einordnung |
|---|---|---|
| Tullamore D.E.W. Original | Weich, apfelig, 40 % | Um 18–22 € — Alltags- und Mixwhiskey |
| 12 Special Reserve | Sherry, Nuss, cremig | Der lohnende Sprung, um 35–40 € |
| 14 Single Malt | Tropische Frucht, vier Fässer | Sehr gut, aber Konkurrenz ist stark |
| XO Caribbean Rum Cask | Süß, Rumnote | Gefällig, für Cocktails interessant |
| Cider Cask | Apfelig, ungewöhnlich | Nette Idee, dünner Whiskey |
Für wen lohnt sich Tullamore D.E.W. — und für wen nicht?
Lohnt sich, wenn du einen milden Whiskey suchst, den man ohne Nachdenken einschenken kann — für Gäste, für Longdrinks, für den Irish Coffee, wo er hervorragend funktioniert. Und der 12er ist eine der unterschätzten Flaschen im irischen Segment: Sherry-Einfluss zu einem Preis, für den man bei schottischen Malts wenig bekommt.
Lohnt sich nicht, wenn du Charakter suchst und beim Original bleibst. Er ist gut gemacht, aber austauschbar — Jameson und Bushmills Original spielen dieselbe Rolle, und der Black Bush ist in dieser Preisklasse der interessantere Kauf. Auch der Cider Cask ist keine sichere Empfehlung: Die Fassidee ist charmant, der Whiskey darunter aber dünn.
Alternativen
- Mehr Substanz fürs gleiche Geld: Bushmills Black Bush.
- Moderner und eigenwilliger: Teeling Small Batch mit Rum-Fass-Finish.
- Wenn es rauchig sein darf: Connemara — der getorfte Ire.
Wo Tullamore D.E.W. in der irischen Landschaft steht, liest du unter Irischer Whiskey. Die Rangliste aller Marken findest du bei den meistgesuchten Whisky-Marken Deutschlands.
Häufige Fragen
Wofür steht D.E.W. bei Tullamore?
Für Daniel Edmund Williams, der die Brennerei als Angestellter zur Blüte führte. Dass sich die Initialen auch als „Tau“ lesen lassen, ist ein willkommener Zufall — gemeint ist die Person.
Was ist ein Triple Blend?
Ein Blend aus allen drei irischen Whiskey-Typen: Malt, Pot Still und Grain. Die meisten irischen Blends verwenden nur zwei davon. Das Ergebnis ist runder und vielschichtiger als ein reiner Malt-Grain-Blend.
Tullamore oder Jameson?
Beide sind milde irische Blends in derselben Preisklasse. Tullamore wirkt etwas apfeliger und trockener, Jameson etwas süßer und cremiger. Wirklich unterscheiden lernt man sie erst nebeneinander im Glas.
Wird Tullamore D.E.W. heute in Tullamore hergestellt?
Die neue Brennerei dort produziert seit 2014. Ältere Abfüllungen und der Grain-Anteil stammen jedoch teils aus anderen Quellen. Bei Abfüllungen mit Altersangabe dauert es entsprechend, bis vollständig eigener Whiskey in der Flasche ist.
Eignet sich Tullamore für Cocktails?
Der Original ja, sehr gut — besonders im Irish Coffee und in Longdrinks mit Ginger Ale. Den 12er würden wir pur trinken. Rezepte findest du bei den Whiskey-Cocktails.

