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Teeling ist das Gesicht der irischen Whiskey-Renaissance: 2015 eröffneten die Brüder Jack und Stephen Teeling die erste neue Brennerei in Dublin seit 125 Jahren — in einer Stadt, die einmal die Whiskey-Hauptstadt der Welt war und in der zuletzt gar nicht mehr gebrannt wurde. Ihr Stil ist entsprechend: weniger Ehrfurcht vor der Tradition, mehr Experiment im Fass.
Die Marke in Kürze
Die Familie Teeling brennt nachweislich seit 1782 — Vater John Teeling gründete außerdem die Cooley-Brennerei, aus der Connemara stammt. Die heutige Brennerei steht im Dubliner Viertel The Liberties, dem historischen Whiskey-Distrikt der Stadt.
Was Teeling von den etablierten Häusern unterscheidet, sind drei handwerkliche Entscheidungen: Die Abfüllungen sind meist nicht kühlgefiltert und ohne Farbstoff, sie kommen mit 46 % statt der üblichen 40 % in die Flasche, und sie reifen häufig in ungewöhnlichen Fässern nach — Rum, Wein, Sherry, sogar Bierfässer. Das ist in dieser Preisklasse selten und erklärt den guten Ruf unter Kennern.
Wie Teeling schmeckt
Der Small Batch zeigt in der Nase Vanille, Karamell und eine deutliche tropische Note vom Rum-Fass — Banane, etwas Kokos. Am Gaumen kommt Würze dazu: Zimt, weißer Pfeffer, dahinter Honig. Die 46 % sorgen für spürbar mehr Druck als bei den üblichen 40-prozentigen Iren, ohne scharf zu wirken. Der Abgang ist mittellang, süß-würzig.
Der Single Grain ist der Ausreißer: Durch die Reifung in kalifornischen Rotweinfässern schmeckt er nach roten Beeren und Traube — ungewöhnlich genug, dass man ihn mögen oder ablehnen wird, selten dazwischen.
Das Sortiment
| Abfüllung | Besonderheit | Charakter |
|---|---|---|
| Teeling Small Batch | Finish in Rum-Fässern, 46 % | Vanille, Gewürz, tropische Süße — der Einstieg |
| Teeling Single Grain | Kalifornische Rotweinfässer | Beerig, eigenständig, polarisierend |
| Teeling Single Malt | Fünf verschiedene Fasstypen | Komplex, fruchtig, gehobene Klasse |
| Teeling Blackpitts | Getorfter Dubliner Malt | Rauchig — für Irland ungewöhnlich |
Für wen lohnt sich Teeling — und für wen nicht?
Lohnt sich, wenn dir Jameson zu brav geworden ist. Der Small Batch kostet kaum mehr als ein Standard-Ire, bringt durch Rum-Fass und höheren Alkoholgehalt aber deutlich mehr Charakter mit. Für alle, die den Sprung von „Whiskey trinken“ zu „Whiskey verkosten“ machen wollen, ist er eine der günstigsten guten Gelegenheiten.
Lohnt sich nicht, wenn du den klassisch-milden irischen Stil suchst — dafür ist Teeling zu eigenwillig. Und beim Single Grain solltest du vorher probieren statt eine ganze Flasche zu kaufen: Rotwein-Noten im Whiskey sind Geschmackssache. Wer generell keine ungewöhnlichen Fassreifungen mag, bleibt besser bei Bushmills.
Alternativen
- Klassischer irischer Stil: Bushmills Black Bush — Sherry statt Rum, weicher.
- Die irische Königsklasse: Redbreast 12 — Single Pot Still, cremig, deutlich teurer.
- Wenn dich der Rauch reizt: Blackpitts oder gleich Connemara.
Was Kühlfiltrierung und Fassreifung bedeuten, erklären unser Glossar und der Artikel zu Fasstypen. Den Rahmen liefert Irischer Whiskey.
Häufige Fragen
Welcher Teeling ist der beste Einstieg?
Der Small Batch mit Rum-Fass-Finish. Er zeigt den Teeling-Stil — mehr Würze, mehr Süße, mehr Druck als beim klassischen Iren — zu einem fairen Preis.
Warum ist Teeling nicht kühlgefiltert?
Weil bei der Kühlfiltrierung auch Geschmacksträger entfernt werden. Der Verzicht darauf gilt zusammen mit 46 % Alkohol als Qualitätsmerkmal — der Whiskey kann dafür bei Wasser oder Eis leicht eintrüben. Das ist kein Fehler.
Gibt es rauchigen Whiskey von Teeling?
Ja, den Blackpitts — einen getorften Dubliner Single Malt. Für Irland ungewöhnlich; die bekanntere getorfte Alternative ist Connemara.
Kann man die Brennerei in Dublin besichtigen?
Ja, sie liegt mitten in der Stadt im Viertel The Liberties und ist auf Besucher ausgelegt — eine der wenigen Whiskey-Brennereien, die man ohne Auto in einem Städtetrip mitnehmen kann.

