Titelbild: Connemara: Der getorfte Ire im Überblick – Zeit im Glas

Connemara: Der getorfte Ire im Überblick

3 Min. Lesezeit

Connemara ist der Whiskey, der nicht ins Klischee passt: ein getorfter irischer Single Malt. Irland steht für mild und dreifach destilliert — Connemara ist rauchig und wird nur zweimal gebrannt. Genau diese Sonderstellung macht ihn zur zweitmeistgesuchten Whisky-Marke Deutschlands und zum idealen Brückenschlag für alle, die Rauch mögen, aber keinen Islay-Hammer wollen.

Die Marke in Kürze

Connemara stammt aus der Cooley-Brennerei im County Louth, gegründet 1987 von John Teeling — zu einer Zeit, als die irische Whiskey-Industrie fast am Boden lag und praktisch alles aus zwei Konzernbrennereien kam. Cooley belebte bewusst alte Traditionen wieder, darunter das Torfen des Malzes, das in Irland jahrhundertelang üblich war und dann in Vergessenheit geriet.

Der Torf stammt vom irischen Festland und unterscheidet sich deutlich vom Insel-Torf der Hebriden: Er enthält mehr Reste von Heide und Moosen und weniger Meeresanteile. Das Ergebnis ist ein erdiger, weicher Rauch statt der jodig-medizinischen Note, die man von Islay kennt. Die zweifache Destillation lässt zudem mehr Körper im Destillat, als es die typisch irische Dreifach-Brennweise täte.

Wie Connemara schmeckt

Hinweis zur Einordnung: Die folgenden Aromen fassen zusammen, wie diese Abfüllungen in Fachpublikationen und der Whisky-Community übereinstimmend beschrieben werden — sie sind keine eigene Verkostungsnotiz. Sobald wir selbst verkosten, kennzeichnen wir das ausdrücklich als unsere Notiz. Und in jedem Fall gilt: Deine Nase entscheidet, nicht unsere.

Der Original zeigt in der Nase zuerst Lagerfeuer und feuchte Erde, darunter aber schnell Honig, Vanille und grüner Apfel. Am Gaumen ist die Süße überraschend präsent — Malz, Birne, etwas Zitrus —, der Rauch legt sich eher wie ein Mantel darüber, als dass er dominiert. Der Abgang ist mittellang, trocken-rauchig mit einer pfeffrigen Spitze.

Wichtig für die Erwartung: Wer einen Laphroaig im Kopf hat, wird Connemara mild finden. Wer von Glenfiddich kommt, wird ihn deutlich rauchig finden. Genau dazwischen liegt sein Reiz.

Das Sortiment

AbfüllungCharakterFür wen
Connemara Original (NAS)Moderater Rauch, honigsüß, 40 %Der Einstieg, meist um 30 €
Connemara 12 JahreRunder, tiefer, mehr Frucht und EicheWer die Marke schon mag
Connemara Turf MórDeutlich kräftiger getorft, FassstärkeRauch-Überzeugte
Connemara Cask StrengthUnverdünnt, intensiv, um 60 %Fortgeschrittene (s. Fassstärke)

Für wen lohnt sich Connemara — und für wen nicht?

Lohnt sich, wenn du herausfinden willst, ob Rauch überhaupt dein Ding ist. Connemara ist dafür die günstigste und freundlichste Testmöglichkeit am Markt — deutlich zugänglicher als ein Islay-Malt und mit einer Süße, die den Einstieg abfedert. Auch als Geschenk für jemanden, der „mal was anderes“ mag, funktioniert er gut, weil die Kombination aus Irland und Rauch fast immer für einen Aha-Moment sorgt.

Lohnt sich nicht, wenn du bereits Islay-Fan bist und echte Wucht suchst — dann ist der Original zu zahm, und du solltest direkt zum Turf Mór greifen. Und wenn du Rauch grundsätzlich nicht magst, rettet auch die Honigsüße nichts. Kritiker werfen dem Original zudem vor, etwas jung und geradlinig zu wirken; das stimmt, ist bei diesem Preis aber kein echter Vorwurf.

Alternativen

  • Etwas mehr Rauch, aber noch zugänglich: Talisker 10 — maritimer und pfeffriger, ähnliche Preisklasse.
  • Volle Islay-Wucht: Laphroaig 10 oder Ardbeg 10 — der nächste Schritt, wenn dir Connemara zu brav wird.
  • Irisch, aber ohne Rauch: Bushmills Black Bush oder Teeling Small Batch.

In unserem Rauch-Stufenplan steht Connemara auf Stufe 3. Wie er sich in die irische Whiskey-Welt einordnet, liest du unter Irischer Whiskey — und woher der Rauch überhaupt kommt, erklärt Torf im Whisky.

Häufige Fragen

Ist Connemara ein typischer irischer Whiskey?

Nein, er ist die große Ausnahme: getorft und doppelt destilliert, während irischer Whiskey klassisch ungetorft und dreifach destilliert ist. Genau das macht ihn interessant.

Wie rauchig ist Connemara?

Deutlich spürbar, aber milder und erdiger als Islay-Malts. Der irische Torf wirkt weicher, und die Honigsüße des Malzes bleibt im Vordergrund. Der Turf Mór ist die deutlich kräftigere Variante.

Welcher Connemara für den Einstieg?

Der Connemara Original für rund 30 Euro. Wer schon weiß, dass er kräftigen Rauch mag, kann direkt zum Turf Mór greifen.

Passt Connemara in Cocktails?

Nur bedingt — der Rauch dominiert die meisten Klassiker. In einem Penicillin oder als kleiner rauchiger Anteil neben einem milden Whisky funktioniert er aber gut. Rezepte findest du bei den Whiskey-Cocktails.

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