Titelbild: Manhattan Cocktail: Rezept & der richtige Wermut – Zeit im Glas

Manhattan Cocktail: Rezept & der richtige Wermut

6 Min. Lesezeit

Der Manhattan ist der Abendanzug unter den Whiskey-Drinks: Rye, roter Wermut, zwei Spritzer Bitter, gerührt, eiskalt in einer Cocktailschale. Drei Zutaten — und doch trennt kaum ein Drink so deutlich zwischen „ganz nett“ und „unvergesslich“. Das Geheimnis steht in keinem Kurzrezept: Beim Manhattan ist der Wermut nicht die Beilage, sondern der zweite Hauptdarsteller.

Das Rezept auf einen Blick

  • 6 cl Rye Whiskey — oder Bourbon für eine rundere Version
  • 3 cl roter (süßer) Wermut — frisch geöffnet und gekühlt
  • 2 Spritzer Angostura Bitters
  • Garnitur: eine gute Cocktailkirsche oder eine Orangenzeste
  • Glas: vorgekühlte Coupette oder Nick-&-Nora-Glas, serviert ohne Eis

Schritt für Schritt

  1. Glas kühlen: Die Cocktailschale mindestens zehn Minuten ins Gefrierfach. Weil der Manhattan ohne Eis serviert wird, hält nur das kalte Glas ihn kalt.
  2. Ins Rührglas: Whiskey, Wermut und Bitters, dann das Glas zu drei Vierteln mit Eis füllen.
  3. Rühren, 25 bis 30 Sekunden: ruhig und gleichmäßig. Der Manhattan braucht etwas länger als ein Old Fashioned, weil kein Eis mehr im Glas nachkühlt.
  4. Abseihen in die eisgekühlte Schale.
  5. Garnieren: Kirsche hineinlegen oder eine Orangenzeste über dem Glas knicken.

Der Wermut: die halbe Wahrheit im Glas

Ein Drittel des Manhattan ist Wermut — ein mit Kräutern und Gewürzen aromatisierter, leicht aufgespriteter Wein. Er bringt Süße, Bitterkeit, Kräuter und Tiefe. Zwei Dinge entscheiden über das Ergebnis:

Frische: Wermut ist Wein und oxidiert nach dem Öffnen. Eine angebrochene Flasche gehört in den Kühlschrank und sollte innerhalb von etwa vier Wochen aufgebraucht werden. Der häufigste Grund für einen flachen, muffigen Manhattan ist ein Wermut, der seit Monaten offen im Regal steht. Wer selten mixt, kauft kleine Flaschen.

Stil: Rote Wermuts unterscheiden sich stark. Manche sind vanillig und üppig, andere bitterer und kräuteriger. Als Faustregel: Ein kräftiger, würziger Rye verträgt einen üppigen Wermut, ein weicher Bourbon wird mit einem bittereren Wermut besser balanciert. Bekannte Qualitätsbeispiele sind Carpano Antica Formula (sehr üppig, Vanille), Cocchi Vermouth di Torino (ausgewogen, Kakao und Zitrus) und Martini Riserva Speciale Rubino (kräuterig, leichter). Mit einem guten Wermut steigt der Drink um eine ganze Klasse — mehr als mit einem teureren Whiskey.

Welcher Whiskey für den Manhattan?

WhiskeyWas er im Manhattan macht
Rye mit 45–50 %Der Klassiker: Pfeffer und Würze schneiden durch die Süße des Wermuts. Beispiel: der Rye von Woodford Reserve
BourbonRunder, süßer, weniger Kontrast — gut für alle, denen Rye zu scharf ist. Dann einen bittereren Wermut wählen
Blended ScotchDas ist kein Manhattan mehr, sondern ein Rob Roy — malzig, mit leichtem Rauch
Milde 40-%-WhiskeysWerden vom Wermut überrollt. Für den Manhattan lieber etwas mehr Trinkstärke

Die Kirsche ist keine Nebensache

Die grellroten Cocktailkirschen aus dem Supermarkt sind gebleicht, gefärbt und stark gezuckert. Sie schmecken vor allem süß und färben den Drink. Kirschen in dunklem Sirup, etwa Amarena- oder Maraschino-Kirschen italienischer Machart, bringen dagegen echte Frucht und etwas Bittermandel mit — und passen zum Wermut. Wer keine gute Kirsche hat, nimmt lieber eine Orangenzeste als eine schlechte Kirsche.

Die Varianten

VarianteWas sich ändert
Perfect ManhattanJe 1,5 cl roter und trockener Wermut, Zitronenzeste statt Kirsche. Trockener und heller
Dry ManhattanNur trockener Wermut. Sehr trocken, eher für Kenner
Rob RoyBlended Scotch statt Rye — der schottische Manhattan
Black ManhattanDer Wermut wird durch den italienischen Kräuterlikör Averna ersetzt, dazu ein Spritzer Orange Bitters. Dunkler, bitterer, moderner Klassiker

Wer Campari mag, sollte den Boulevardier probieren — Whiskey, roter Wermut und Campari zu fast gleichen Teilen. Er ist sozusagen der bittere Cousin des Manhattan.

Manhattan oder Old Fashioned?

Beide sind gerührt und spirituosenbetont, beide leben vom Whiskey. Der Unterschied liegt im Süßungsmittel und im Glas: Der Old Fashioned süßt mit Zucker und steht auf einem großen Eiswürfel — er verändert sich beim Trinken. Der Manhattan süßt mit Wermut, der Kräuter und Wein mitbringt, und wird ohne Eis serviert — er ist vom ersten bis zum letzten Schluck derselbe. Wer den Old Fashioned mag und mehr Tiefe sucht, ist beim Manhattan richtig.

Woher der Manhattan kommt — und woher nicht

Die bekannteste Geschichte: Der Drink sei Mitte der 1870er Jahre im Manhattan Club in New York für ein Bankett von Jennie Jerome erfunden worden, der Mutter von Winston Churchill. Sie hält einer Prüfung nicht stand — Jennie Jerome lebte zu der Zeit in Europa und war schwanger (Überblick mit Belegen).

Belegt ist dagegen: Ab 1884 taucht der Manhattan in gedruckten Barbüchern auf, zunächst in unterschiedlichen Fassungen. In einem Rezept von 1891 steht bereits das heute übliche Verhältnis — zwei Drittel Whiskey, ein Drittel Wermut, dazu Bitters. Damit ist er einer der ältesten Cocktails, die noch fast unverändert getrunken werden.

Für Gäste: Manhattan aus dem Gefrierfach

Für acht Drinks 480 ml Whiskey, 240 ml roten Wermut und 16 Spritzer Angostura in eine Flasche füllen und für den Abend ins Gefrierfach stellen. Mit einem Whiskey um 45 % hat die Mischung rund 35 % Alkohol und friert bei üblichen −18 °C in der Regel nicht; mit 40-prozentigem Whiskey (rund 32 %) kann sie dort sulzig werden — dann lieber in den Kühlschrank und etwas länger rühren. Zum Servieren je 9 cl mit Eis 10 bis 15 Sekunden kurz anrühren — so kommt die nötige Verdünnung dazu — und in die gekühlte Schale abseihen. Angebrochene Mischung nicht wochenlang aufheben: Der Wermut darin altert wie in der offenen Flasche.

Die häufigsten Fehler

  • Alter Wermut: Monate offen im Regal — der Drink schmeckt flach und muffig.
  • Geschüttelt: Der Manhattan wird trüb und schaumig. Gerührt bleibt er klar und seidig.
  • Warmes Glas: Ohne Eis im Glas wird der Drink in Minuten warm. Die Schale muss eiskalt sein.
  • Auf Eis serviert: Nicht verboten, aber dann verwässert er weiter. Wer Eis im Glas mag, nimmt einen großen Würfel.
  • Neonkirsche: färbt und süßt, bringt aber keinen Geschmack. Lieber Zeste.

Der Manhattan gehört mit dem Whiskey Sour und dem Old Fashioned zu den drei großen Whiskey-Klassikern. Die ganze Familie steht in der Übersicht Whiskey-Cocktails.

Häufige Fragen

Was ist ein Manhattan Cocktail?

Ein gerührter Cocktail aus Rye Whiskey (oder Bourbon), rotem Wermut und Angostura Bitters im Verhältnis 2:1, serviert ohne Eis in einer gekühlten Cocktailschale. Er ist seit 1884 in Barbüchern belegt.

Rye oder Bourbon für den Manhattan?

Traditionell Rye — seine Würze balanciert die Süße des Wermuts. Bourbon macht den Drink runder und süßer und ist genauso legitim; dann passt ein bittererer Wermut besser.

Welcher Wermut für den Manhattan?

Ein guter roter Wermut, frisch geöffnet und im Kühlschrank aufbewahrt. Ob üppig-vanillig oder kräuterig-bitter, hängt vom Whiskey ab. Wichtiger als die Marke ist die Frische.

Wird der Manhattan mit Eis serviert?

Klassisch nicht. Er wird auf Eis gerührt und dann ohne Eis in eine gekühlte Schale abgeseiht, damit er nicht weiter verwässert.

Was ist der Unterschied zwischen Manhattan und Rob Roy?

Nur der Whiskey: Der Rob Roy wird mit Blended Scotch statt mit Rye oder Bourbon gemixt. Dadurch schmeckt er malziger und oft leicht rauchig.

Wie viel Alkohol hat ein Manhattan?

Mit 6 cl Whiskey bei 40 % und 3 cl Wermut bei rund 16 % etwa 23 Gramm reinen Alkohol — mehr als ein doppelter Whisky pur. Ein Drink zum langsamen Genießen.

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