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Woodford Reserve ist der offizielle Bourbon des Kentucky Derby und steht in fast jeder gehobenen Bar. Was dabei untergeht: Die Brennerei arbeitet handwerklich anders als praktisch jeder andere große Bourbon-Produzent — sie destilliert dreifach in kupfernen Brennblasen, wie man es aus Schottland und Irland kennt, nicht aus Kentucky.
Die Marke in Kürze
Der Standort in Versailles, Kentucky, gehört zu den ältesten Brennerei-Plätzen des Bundesstaates — hier wurde bereits 1812 gebrannt, damals unter dem Namen Labrot & Graham. Nach langem Leerstand kaufte Brown-Forman das Gelände und brachte es 1996 als Woodford Reserve zurück. Die Brennerei ist bis heute eine der kleinsten unter den bekannten Bourbon-Häusern.
Warum die Herstellung ungewöhnlich ist
Der typische Kentucky-Bourbon entsteht in einer Column Still — einem kontinuierlich arbeitenden Säulenapparat, der große Mengen effizient destilliert. Woodford Reserve nutzt stattdessen drei kupferne Pot Stills und destilliert dreifach. Das ist langsamer, teurer und liefert ein Destillat mit anderem Aromenprofil: weniger getreidig-scharf, runder und öliger.
Ein Teil des verkauften Woodford stammt allerdings aus der Column Still der Schwesterbrennerei in Louisville und wird mit dem Pot-Still-Destillat verschnitten. „Handwerklich gebrannt“ stimmt also — „ausschließlich“ wäre zu viel gesagt. Was die beiden Verfahren unterscheidet, erklären wir unter Pot Still und Column Still.
Wie Woodford Reserve schmeckt
Hinweis zur Einordnung: Die folgenden Aromen fassen zusammen, wie diese Abfüllungen in Fachpublikationen und der Whisky-Community übereinstimmend beschrieben werden — sie sind keine eigene Verkostungsnotiz. Sobald wir selbst verkosten, kennzeichnen wir das ausdrücklich als unsere Notiz. Und in jedem Fall gilt: Deine Nase entscheidet, nicht unsere.
Der Distiller’s Select gilt als ausgewogen und rund: Vanille, Karamell, getrocknete Frucht, dazu eine deutliche Note von Orangenschale und Minze, die viele als Erkennungsmerkmal der Marke beschreiben. Mit 43,2 % hat er etwas mehr Druck als die üblichen 40 %.
Double Oaked ist die Abfüllung, über die geredet wird. Nach der ersten Reifung kommt der Bourbon in ein zweites, stark getoastetes und leicht ausgebranntes Fass. Beschrieben werden dichte Karamell- und Ahornsirupnoten, dunkle Schokolade und ein deutlich längerer, süßerer Abgang.
Das Sortiment
| Abfüllung | Charakter | Ehrliche Einordnung |
|---|---|---|
| Distiller’s Select | Rund, Vanille, Orange, 43,2 % | Um 35–42 € — gut, aber preislich ambitioniert |
| Double Oaked | Dicht, süß, Ahornsirup | Der eigentliche Grund für die Marke, um 50–60 € |
| Rye | Würzig, pfeffrig | Solider Rye, gut für Cocktails |
| Malt / Wheat | Getreide-Varianten | Interessant für Vergleichstastings, selten nötig |
| Master’s Collection | Wechselnde Experimente | Limitiert, Sammlerpreise |
Für wen lohnt sich Woodford Reserve — und für wen nicht?
Lohnt sich, wenn du Bourbon pur trinkst und einen suchst, der nicht mit Süße überfährt. Der Distiller’s Select ist einer der ausgewogensten amerikanischen Whiskeys überhaupt und funktioniert deshalb auch im Old Fashioned und im Mint Julep — Letzteres nicht zufällig, die Marke ist offizieller Bourbon des Kentucky Derby.
Lohnt sich nicht, wenn du auf den Preis achtest. Woodford kostet etwa das Doppelte von Jim Beam Black oder Buffalo Trace, ohne durchgehend doppelt so gut zu sein — ein Teil des Preises ist Positionierung. Wer Bourbon vor allem für Cocktails braucht, findet günstigere Flaschen, die dieselbe Arbeit tun.
Und ein Hinweis zur Reihenfolge: Wer den Double Oaked zuerst probiert, empfindet den Standard danach oft als blass. Andersherum ist die Erfahrung besser.
Alternativen
- Günstiger, ähnlich ausgewogen: Buffalo Trace oder Four Roses Small Batch.
- Mehr Druck: Knob Creek 9 mit 50 % — siehe Jim Beam.
- Süßer und weicher: Maker’s Mark oder Jack Daniel’s Single Barrel.
Die Brennerei ist Teil des Kentucky Bourbon Trail und gilt wegen ihrer Größe und Lage als eine der sehenswertesten Stationen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Distiller’s Select und Double Oaked?
Double Oaked reift nach der normalen Fasslagerung ein zweites Mal in einem frisch getoasteten Fass. Das bringt deutlich mehr Süße, Holz und Tiefe. Der Aufpreis von rund 15 Euro ist einer der klarer gerechtfertigten im Bourbon-Segment.
Warum ist Woodford teurer als andere Bourbons?
Die dreifache Pot-Still-Destillation ist aufwendiger als das übliche Säulenverfahren, und die Brennerei ist klein. Ein Teil des Preises entfällt aber auch auf Positionierung als Premium-Marke.
Ist Woodford Reserve ein echter Bourbon?
Ja. Er erfüllt alle Anforderungen: über 51 % Mais in der Maische, Reifung in neuen ausgebrannten Weißeichenfässern, Herstellung in den USA. Details unter Bourbon Whiskey.
Welcher Woodford für den Mint Julep?
Der Distiller’s Select — die Minznote im Bourbon spielt mit der frischen Minze im Glas. Den Double Oaked würden wir dafür nicht verwenden, dafür ist er zu süß und zu schade.

