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Chivas Regal: Warum der 18er der eigentliche Chivas ist

4 Min. Lesezeit

Chivas Regal ist einer der wenigen Whiskys, deren Ruf im Ausland größer ist als zu Hause. In Frankreich, Asien und Lateinamerika steht die Flasche für Erfolg und gute Gesellschaft; in Schottland selbst ist sie ein solider Blend unter vielen. Diese Lücke zwischen Image und Inhalt ist der interessanteste Teil der Marke — und der Grund, warum die Wahl zwischen 12 und 18 Jahren wichtiger ist, als man denkt.

Die Marke in Kürze

Die Brüder James und John Chivas führten ab 1801 einen Kolonialwarenladen in Aberdeen, der wohlhabende Kundschaft mit Tee, Gewürzen und Spirituosen versorgte. Sie begannen, Whiskys für ihre Kunden zu verschneiden — daher der Begriff Chivas Brothers. „Regal“ kam später dazu, als das Haus königlichen Hoflieferantenstatus erhielt.

Das Herzstück der Blends ist Strathisla in Keith, die älteste durchgehend arbeitende Brennerei der schottischen Highlands (seit 1786). Dazu kommen weitere Speyside-Malts und Grain Whisky. Der Hausstil ist damit klar gesetzt: rund, honigsüß, sherrybetont — und praktisch ohne Rauch.

Das ist der wichtigste Unterschied zu Johnnie Walker, wo sich ein rauchiger Unterton durch die ganze Reihe zieht. Wer von dort kommt und Chivas probiert, vermisst zuerst etwas — und findet dafür deutlich mehr Frucht.

Wie Chivas Regal schmeckt

Hinweis zur Einordnung: Die folgenden Aromen fassen zusammen, wie diese Abfüllungen in Fachpublikationen und der Whisky-Community übereinstimmend beschrieben werden — sie sind keine eigene Verkostungsnotiz. Sobald wir selbst verkosten, kennzeichnen wir das ausdrücklich als unsere Notiz. Und in jedem Fall gilt: Deine Nase entscheidet, nicht unsere.

Der 12-Jährige wird als weich und honigsüß beschrieben: Vanille, reifer Apfel, etwas Haselnuss, ein Hauch Karamell. Sehr zugänglich, sehr glatt — und genau darin liegt die Kritik: Ihm fehlt der Widerhaken, der einen Whisky im Gedächtnis bleiben lässt.

Der 18-Jährige ist ein anderer Whisky. Beschrieben werden dunkle Schokolade, Orangenschale, Trockenpflaume, Sherry und Marzipan, dazu ein deutlich längerer, wärmerer Abgang. Er wurde jahrzehntelang von Master Blender Colin Scott verantwortet und gilt vielen als einer der besten Blends seiner Preisklasse.

Das Sortiment

AbfüllungCharakterEhrliche Einordnung
Chivas Regal 12Honig, Apfel, sehr weichUm 25–30 € — solide, aber austauschbar
Extra 13Sherry- oder Bourbon-FinishUnterschätzt. Mehr Kontur für wenig Aufpreis
Chivas Regal 18Schokolade, Orange, SherryDer eigentliche Chivas. Um 55–70 €
UltisBlended Malt, ohne GrainInteressant, aber preislich schwer zu rechtfertigen
Royal Salute 21Sehr weich, üppig, PorzellanflaschePrestige-Linie, dreistellig — Verpackung zahlt mit

Für wen lohnt sich Chivas Regal — und für wen nicht?

Lohnt sich, wenn du einen weichen, fruchtigen Scotch ohne Rauch suchst — als Einstieg, als Geschenk oder für eine Runde mit gemischtem Geschmack. Der 12er ist eine sichere Bank, an der sich niemand stört. Und der 18er ist eine der wenigen Flaschen, bei denen ein Blend problemlos mit Single Malts derselben Preisklasse mithält.

Lohnt sich nicht, wenn du Charakter suchst und beim 12er bleibst. Für dasselbe Geld bekommst du einen Speyside-Single-Malt mit Altersangabe, der mehr zu erzählen hat. Der 12er wird über die Marke verkauft, nicht über die Flasche — das ist keine Kritik am Whisky, aber eine an der Preis-Logik.

Auch Royal Salute ist mit Vorsicht zu betrachten: Ein sehr guter Whisky, aber ein erheblicher Anteil des Preises steckt in Porzellanflasche und Samtbeutel. Wer den Inhalt will und nicht die Geste, findet für die Hälfte mehr Genuss.

Alternativen

Was Blends von Single Malts unterscheidet und warum „Blend“ kein Schimpfwort ist, steht in unserem Vergleich Single Malt vs. Blended Whisky.

Häufige Fragen

Chivas 12 oder 18 — lohnt sich der Aufpreis?

Ja, und zwar deutlicher als bei den meisten Marken. Der 18er kostet etwa das Doppelte, liefert aber eine ganz andere Tiefe. Wenn Chivas, dann eher selten den 18er als häufig den 12er.

Ist Chivas Regal ein Single Malt?

Nein, Chivas Regal ist ein Blended Scotch aus Malt- und Grain-Whiskys mehrerer Brennereien. Die Ausnahme ist Chivas Ultis, ein Blended Malt ohne Grain-Anteil.

Was bedeutet die 12 auf der Flasche?

Der jüngste enthaltene Whisky ist mindestens zwölf Jahre gereift. Ältere Bestandteile dürfen enthalten sein, werden aber nicht ausgewiesen. Mehr dazu unter Whisky-Altersangabe.

Ist Chivas rauchig?

Nein. Chivas setzt auf Speyside-Malts und bleibt fruchtig-süß. Wer Rauch möchte, ist bei Islay-Whiskys richtig.

Wie trinkt man Chivas Regal?

Den 12er gerne mit Eis oder als Highball — er verträgt Verdünnung gut. Den 18er pur, bei Zimmertemperatur, in einem passenden Glas. In Asien ist Chivas mit grünem Tee verbreitet, was Puristen empört und erstaunlich gut funktioniert.

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