Titelbild: Whisky Highball – Zeit im Glas

Whisky Highball: Rezept, Mischverhältnis und der japanische Weg

6 Min. Lesezeit

Der Highball ist der einfachste Whisky-Drink der Welt — Whisky, Eis, Sprudel — und trotzdem gibt es Bars in Tokio, die nichts anderes machen. Das klingt übertrieben, bis man einen wirklich guten Highball trinkt: eiskalt, lebendig prickelnd, der Whisky klar erkennbar, aber leicht wie ein Sommerabend. Der Unterschied zu einem lauwarmen Whisky mit abgestandenem Wasser liegt in drei Dingen: Kälte, Kohlensäure und Verhältnis.

Das Rezept auf einen Blick

  • 4 cl Whisky — leicht und fruchtig, gut gekühlt
  • 12 bis 16 cl Sodawasser (stark kohlensäurehaltig, eiskalt) — Verhältnis 1 : 3 bis 1 : 4
  • Viel Eis, am besten große, klare Würfel oder lange Eisstangen
  • Garnitur: Zitronenzeste, optional
  • Glas: hohes, schmales Longdrinkglas, vorgekühlt

Schritt für Schritt

  1. Glas kühlen: randvoll mit Eis füllen und kurz umrühren, bis das Glas außen beschlägt. Das Schmelzwasser abgießen.
  2. Eis nachfüllen bis zum Rand.
  3. Whisky hinein und 10 bis 15 Sekunden rühren, damit er so kalt wird wie das Eis.
  4. Soda aufgießen: langsam am Barlöffel oder an der Innenwand entlang, nicht direkt aufs Eis. Jeder harte Aufprall kostet Kohlensäure.
  5. Einmal anheben, nicht rühren: Mit dem Barlöffel einmal vom Boden nach oben ziehen, damit sich Whisky und Soda verbinden. Wer kräftig rührt, rührt die Bläschen heraus.
  6. Zeste über dem Glas knicken, hineinlegen oder weglassen. Sofort servieren.

Die drei Regeln für einen perfekten Highball

1. Alles muss kalt sein. Kohlendioxid löst sich in kaltem Wasser deutlich besser als in warmem. Ein warmer Whisky oder ein Glas ohne Vorkühlung lässt das Soda sofort ausgasen — der Drink wird schal, bevor er auf dem Tisch steht. Deshalb: Soda aus dem Kühlschrank, Whisky vorrühren, Glas vorkühlen. Wer oft Highballs macht, lagert eine Flasche Whisky im Gefrierfach; mit 40 % friert sie dort nicht.

2. Die Kohlensäure schützen. Kleine Flaschen sind besser als große — eine angebrochene Literflasche verliert mit jedem Öffnen Druck. Soda sanft eingießen, nicht umrühren. Stilles Mineralwasser ist kein Ersatz; ein normales Sprudelwasser geht, ein ausgesprochen spritziges Soda ist besser.

3. Das Verhältnis kennen. 1 : 3 ist kräftig und whiskybetont, 1 : 4 leicht und erfrischend. Mehr als 1 : 4 verdünnt den Whisky bis zur Unkenntlichkeit, weniger als 1 : 2 ist kein Highball mehr, sondern ein Whisky mit Schuss.

Welcher Whisky für den Highball?

Soda verdünnt stark und hebt alles hervor, was frisch und fruchtig ist — und alles, was scharf ist. Gesucht ist ein Whisky mit klarer, heller Frucht und ohne alkoholische Spitze. Teuer muss er nicht sein.

StilWas er im Highball macht
Japanischer BlendDas Original der modernen Highball-Welle: klar, blumig, präzise. Beispiel: Hibiki Harmony — schön, aber im Longdrink eine teure Wahl
Blended ScotchDer Klassiker „Scotch & Soda“: malzig, leicht, zuverlässig. Beispiele: Chivas Regal 12, Johnnie Walker Black
Speyside Single MaltFruchtig und frisch — Apfel und Birne kommen im Soda schön heraus. Beispiel: Glenfiddich 12
Irish WhiskeySehr weich, gut für Einsteiger. Beispiel: Jameson
Leicht rauchigDer maritime Highball: Salz und Rauch werden im Soda überraschend frisch. Beispiel: Talisker 10
BourbonGeht, wird aber süßer und schwerer — mit Ginger Ale besser als mit Soda

Soda, Ginger Ale oder Tonic?

Whisky Soda

Die puristische Form und der Maßstab. Soda bringt keinen eigenen Geschmack mit, nur Kohlensäure und Kälte — der Whisky steht im Vordergrund. Wer wissen will, wie sich ein Whisky verhält, wenn man ihn öffnet, lernt im Whisky Soda mehr als im Nosingglas.

Whisky Ginger Ale

Ginger Ale bringt Süße und eine milde Ingwerschärfe mit und verzeiht mehr. Es passt besonders zu Irish Whiskey und Bourbon; Jameson mit Ginger Ale und Limette ist in irischen Pubs ein Standard. Ein trockenes, würziges Ginger Ale ist meist besser als ein sehr süßes. Wer beides mag, nimmt halb Ginger Ale, halb Soda — diese Mischung heißt in alten Barbüchern „Presbyterian“.

Tonic

Möglich, aber heikel: Die Bitterkeit des Chinins beißt sich mit vielen Whiskys. Wenn, dann mit einem leichten, zitrusfrischen Blend und einem milden Tonic. Für den Einstieg lieber Soda oder Ginger Ale.

Der japanische Highball

In Japan ist der Highball — haibōru — kein Nischendrink, sondern das Getränk, das man zum Essen bestellt. Er kam in der Nachkriegszeit ins Land, und eine Werbekampagne von Suntory brachte ihn ab 2008 zurück in Mode; bald darauf entstanden eigene Highball-Bars (Überblick).

Was ihn auszeichnet, ist Präzision: gefrorene Gläser, klares Eis, eiskalter Whisky, sehr spritziges Soda, ein einziges sanftes Anheben mit dem Löffel. Nichts davon ist Zauberei — es sind genau die drei Regeln oben, nur konsequent angewandt. Wer japanischen Whisky kennenlernen will, findet den Einstieg unter Japanischer Whisky und bei Hibiki.

Woher der Highball kommt

Spirituose mit Sprudel ist alt; unter dem Namen „Splificator“ ist schon 1886 ein Rezept mit Rye und Ginger Ale belegt. Richtig populär wurde Whisky mit Soda in Amerika, als die Reblaus im späten 19. Jahrhundert die französischen Weinberge verwüstete und schottischer und irischer Whisky die Lücke füllten. Woher der Name „Highball“ kommt, ist nicht geklärt: Eine Theorie verweist auf das irisch-englische „ball“ für Glas — ein hohes Glas eben —, eine andere auf ein Pfeifsignal der Eisenbahn.

Für Gäste: die Highball-Station

Highballs lassen sich nicht vormischen — die Kohlensäure wäre weg. Was sich vorbereiten lässt: Gläser im Gefrierfach, eine Kühlbox voller Eis, zwei oder drei Whiskys im Kühlschrank und reichlich kleine Flaschen Soda und Ginger Ale. Dazu ein Brett mit Zitronen- und Orangenzesten. Jeder Gast baut sich seinen Highball selbst in dreißig Sekunden — und probiert nebenbei, welcher Whisky ihm im Longdrink am besten gefällt.

Die häufigsten Fehler

  • Zu wenig Eis: Wenige Würfel schmelzen schnell und verwässern. Das Glas gehört randvoll.
  • Warmes Soda: sprudelt beim Eingießen auf und ist dann schal.
  • Kräftig umgerührt: Die Kohlensäure entweicht. Einmal anheben reicht.
  • Angebrochene Literflasche: hat schon beim zweiten Drink kaum noch Druck.
  • Zu viel Soda: Bei 1 : 6 schmeckt man nur noch Wasser mit Ahnung.

Der Highball ist der leichteste Einstieg in die Welt der Whiskey-Cocktails. Seine süße, dunkle Verwandtschaft ist die Whisky-Cola. Welches Glas zu welchem Drink passt, zeigt Whisky-Glas.

Häufige Fragen

Was ist ein Highball?

Ein Longdrink aus einer Spirituose und einem kohlensäurehaltigen Filler auf viel Eis, serviert im hohen Glas. Der Whisky Highball — Whisky mit Soda — ist die bekannteste Form.

Welches Mischverhältnis für einen Highball?

1 Teil Whisky auf 3 bis 4 Teile Soda, also etwa 4 cl Whisky auf 12 bis 16 cl Soda. 1 : 3 ist kräftiger, 1 : 4 leichter.

Welcher Whisky eignet sich für einen Highball?

Leichte, fruchtige Whiskys ohne alkoholische Schärfe: japanische und schottische Blends, Speyside-Malts, Irish Whiskey. Leicht rauchige Whiskys ergeben eine maritime Variante.

Was ist der Unterschied zwischen Whisky Soda und Highball?

Whisky Soda ist ein Highball. „Highball“ ist der Oberbegriff für Spirituose plus Sprudel im hohen Glas, also auch mit Ginger Ale — oder mit anderen Spirituosen.

Wie viel Alkohol hat ein Highball?

Mit 4 cl Whisky bei 40 % rund 13 Gramm reinen Alkohol. Weil er so leicht und erfrischend schmeckt, trinkt er sich schneller als ein pur servierter Whisky — ein guter Grund, zwischendurch Wasser zu trinken.

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